
Bauchgeflüster
Die große Papa-Frage
Darwin weckte mich heute früh mit einem fröhlichen Sprung auf meinen Bauch. Er ließ sich ganz flach auf mir nieder, sein Gesicht so nah vor meinem, dass ich seinen warmen Atem spüren konnte. Dann sagte er mit einer Ernsthaftigkeit, die nur Darwin hinbekommt:
„Ich habe heute Nacht von den Welpen geträumt. Ich weiß aber nicht, ob es wirklich ein Traum war … oder eine Art Seelenverbindung.“

„Eine Seelenverbindung?“, fragte ich und strich ihm über die Stirn.
Darwin nickte bedeutungsvoll. „Ja. Die Welpen haben sich unterhalten. Und ich konnte ihr Gespräch irgendwie hören. Vielleicht war es auch wieder der Windklang – du weißt schon, der, der mir damals schon zuflüsterte, dass bei Kiki, nach meinem Besuch bei ihr, etwas ganz Besonderes heranwächst.“
Ich lächelte. „Dann erzähle doch mal, was du geträumt oder gehört hast…“
Darwin schlug kurz mit der Rute, machte es sich noch ein Stück bequemer auf meinem Bauch und begann zu erzählen.
Im warmen, weichen Bauch von Mama Kiki herrschte eine ganz besondere Stimmung. Die kleinen Flauschpiloten lagen dicht an dicht, schaukelten im Rhythmus von Kikis Atem und übten schon einmal die wichtigsten Fähigkeiten des Welpendaseins: Kuscheln, Kichern und herrlich albernen Quatsch machen.
Draußen rückte die Zeit voran – und es waren nur noch wenige Tage, bis die kleine Crew ihre große Reise antreten würde. Das spürten sie alle. Ein sanftes Kribbeln lag in der Luft, wie eine geheime Vorfreude, die nur ungeborene Welpen kennen.
„Also eigentlich …“, begann einer plötzlich mit verschwörerischem Ton, „müssten wir ja bald wissen, von welchem Papa wir sind.“
Ein anderer, der immer einen Tick früher redete als die anderen, antwortete: „Wie denn? Wir sehen doch nicht mal unsere eigenen Pfoten!“
„Ach, das merkt man doch!“, mischte sich Nummer drei ein. „Guck mal, du da drüben… du hast total lange Ohrbellen. Dein Papa ist sicher Emil!“
„Was?“, protestierte der Angesprochene sofort. „Wie kannst du das sagen? Du siehst doch noch gar nichts! Vielleicht habe ich einfach nur sehr elegante Ohren!“
Die anderen kicherten so laut, wie ungeborene Welpen überhaupt kichern können.
Kiki spürte das sanfte Getuschel und Schaukeln sofort.
„Ihr kleinen Flauschpiloten …“, dachte sie liebevoll, „bald seid ihr soweit.“
Doch die Kleinen waren längst in bester Gesprächslaune.
„Also ich sage, Papa Darwin ist meiner!“, rief einer voller Überzeugung. „Ich habe nämlich eine besonders sportliche Pfote.“
„Sportlich?“, lachte ein anderer. „Du bist eben beim Umdrehen wieder gegen mich gerollt!“
„Das war Absicht. Ich trainiere.“
„Wofür denn?“
„Für meinen ersten Schritt in die Welt! Ich will nicht stolpern.“
Der Kleinste antwortete mit erstaunlicher Weisheit: „Wir alle werden stolpern. Noch nie ist ein Welpe elegant gestartet.“
Nach einer gemeinsamen Gackerpause ertönte wieder der sanfte Windklang.
„Hört ihr das?“, flüsterte einer ehrfürchtig.
„Mhm… das klingt, als würde uns jemand rufen.“
„Oder als würden unsere Papas oben diskutieren, wer von ihnen der Schönere ist.“
„Darwin sagt bestimmt: Ich war zuerst!“
„Und Emil: Ich habe nachgedeckt!“
Alle prusteten los.
Dann meldete sich der hungrigste der Welpen zu Wort.
„Sagt mal… habt ihr eine Ahnung, was es da draußen zu fressen gibt?“
„Fressen? Jetzt schon?“, fragte der Kleinste. „Wir kommen erst in ein paar Tagen raus und du denkst an Essen?“
„Natürlich! Vielleicht gibt’s da draußen Knusper-Wolken … oder glänzende Leckerchen, die vom Himmel fallen!“
„Das sind Schneeflocken“, erklärte der kleine Weise streng. „Und die kann man nicht essen.“
„WAS?! Warum nicht?! Dann sollen sie wenigstens lecker riechen!“
Wieder vibrierte Kikis Bauch vom Kichern.
Ein anderer Welpe seufzte träumerisch:
„Wenn wir vor Weihnachten geboren werden… heißt das, wir bekommen sofort Geschenke?“
Der Frechste antwortete ohne zu zögern:
„Na klar! Der Weihnachtsmann bringt uns bestimmt was.“
„Was denn?“
„Ein eigenes Quietschehörnchen zum Beispiel!“
„Oder eine Wärmedecke mit eingebautem Kuschelfaktor!“
„Oder …“, sagte der Sportliche stolz, „… eine Pilotenbrille in unserer Größe!“
„Du hast noch nicht mal Augen, die du dahinter verstecken kannst!“
„Aber Stilgefühl!“
Die Kleinen kicherten wieder unkontrolliert.
Dann rückten sie etwas zusammen, müde vom vielen Reden – und voller Vorfreude auf ein Leben, das sie zwar noch nicht sehen, aber schon fühlen konnten.
„Ganz ehrlich …“, flüsterte einer, „… egal, wer unser Papa ist. Darwin oder Emil – beide wären stolz.“
„Mama ohnehin“, murmelte der Kleinste zufrieden.
„Und in ein paar Tagen…“
„…sehen wir endlich die Welt.“
„Und hören den Windklang richtig!“
„Und vielleicht …“, hob der Hungrige an, „… riechen wir Knusper-Wolken!“
„Die gibt’s nicht!“
„Vielleicht ja doch! Ich habe Visionen!“
„Du hast Hunger.“
Erneut vibrierte Kikis Bauch vor lauter Kichern.

Als der Windklang zum letzten Mal sanft durch den Bauch strich, kuschelten sich die Flauschpiloten eng aneinander.
So kleine Herzen, so kleine Persönlichkeiten – und eine große Reise, die schon bald beginnen würde.
„Wir schaffen das“, flüsterte einer.
„Aber immer nur einer nach dem anderen! Nicht alle auf einmal“, erinnerte der Frühreife streng.
„Pilotenregeln“, seufzten die anderen – liebevoll und voller Vorfreude.
Und irgendwo, ganz zart, antwortete der Windklang – wie ein vorweihnachtliches Versprechen.
Ich sah Darwin an, der noch immer ganz ruhig auf meinem Bauch lag, als hätte er die Worte der Welpen eben erst gehört. Seine Augen wirkten weich, warm und ein wenig glänzend.
„Darwin“, sagte ich leise, „wenn das ein Traum war, dann war es einer voller Liebe. Und wenn es eine Seelenverbindung war … dann bist du für diese kleinen Piloten schon jetzt mehr, als ein Papa je sein könnte. Du hast ihnen zugehört, bevor sie überhaupt geboren sind. Das macht dich besonders. Und ich glaube, sie wissen das.“
Darwin hob seinen Kopf ein wenig, als hätte er genau auf diese Worte gewartet. Er legte seine Pfote sanft auf meine Hand, schaute mir tief in die Augen und sagte mit einer Stimme, die fast wie ein warmer Hauch klang:
„Weißt du… ich glaube, Liebe findet immer ihren Weg. Auch durch einen Bauch. Auch durch den Windklang. Und vielleicht muss man nicht sehen können, um verbunden zu sein. Ich habe sie gespürt. Jeden Einzelnen. Ihre Freude, ihre kleinen Sorgen, ihr Lachen. Und ich werde da sein, wenn sie die Welt betreten. Vielleicht nicht für jeden als Papa… aber für alle als Herz.“
Dann ließ er seinen Kopf wieder sinken, seufzte weich und fügte flüsternd hinzu:
„Manchmal“, flüsterte er, „braucht es nur einen Hauch Weihnachtszauber, um zu begreifen, dass Liebe schon da ist – lange bevor man sie sehen kann.“